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Grandios! „Irma Vep“ mit Alicia Vikander und Lars Eidinger

Grandios! „Irma Vep“ mit Alicia Vikander und Lars Eidinger

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Alicia Vikander in "Irma Vep". Credit: ©HBO Entertainment
Die Satire-Serie „Irma Vep“ mit Alicia Vikander und Lars Eidinger erzählt, wie der Dreh einer Arthouse-Reihe außer Kontrolle gerät.

Sie ist jung, talentiert, erfolgreich und wird von Millionen Fans in aller Welt angehimmelt. Trotzdem ist die amerikanische Schauspielerin Mira Harberg (Alicia Vikander, 2016 Oscar für „The Danish Girl“) kreuzunglücklich mit dem Verlauf ihrer Karriere. Ihren Ruhm verdankt sie ausschließlich seelenlosen Superhelden-Blockbustern, möchte aber viel lieber in Produktionen mit intellektuellem Anspruch mitwirken.

Doch ein Ausweg ist in Sicht: Mira übernimmt die Hauptrolle in der französischen Serie „Die Vampire“, Neuauflage eines Stummfilms aus dem Jahr 1916 über eine Vereinigung von Gangstern.

Mira spielt die talentierte Einbrecherin Irma Vep – und genauso lautet auch der Titel dieser brillanten HBO-Serie. Im Juni und Juli zeigte WOW bereits die englischsprachige Originalfassung, jetzt hat der Anbieter die deutsche Synchronisierung im Angebot.

Die Bildergalerie zu „Irma Vep“

Darum geht’s in „Irma Vep“

Motiviert tritt Mira die Arbeit in Paris an, aber schnell stellt sich heraus: Dieser Dreh wird alles andere als einfach. Das geht schon mit dem ausgebrannten und überforderten Regisseur René Vidal (großartig: Vincent Macaigne) los. Dessen Wutausbrüche sind berüchtigt. Weil er auf Psychopharmaka angewiesen ist, will die Versicherung den Vertrag einseitig kündigen. Am Set wird jede Kleinigkeit diskutiert, die Schauspieler halten immer wieder Szenen und Verhaltensweisen ihrer Figuren für komplett unrealistisch. Dazu kommt es zu nerdigen Fachdiskussionen.

So legt Regisseur Vidal wert darauf, dass er keine Miniserie dreht, sondern einen in acht Episoden unterteilten Film. Dann taucht der abgehalfterte deutsche Schauspieler Gottfried von Schack (Lars Eidinger) in einem desolaten Zustand in Frankreich auf. Er ist cracksüchtig und braucht dringend neuen Stoff. Ständig provoziert er mit Machosprüchen und politisch unkorrekten Statements.

In all diesem Chaos hat Mira auch noch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen: Sie fühlt sich einsam und leidet seit der Trennung von ihrer Freundin Laurie (Adria Arjona) unter Liebeskummer. Irgendwann beginnt sie, auf beunruhigende Weise mit ihrer Rolle zu verschmelzen.

Hintergrund

Manchem Zuschauer könnte all das bekannt vorkommen, und tatsächlich hat der französische Regisseur Olivier Assayas diese Geschichte 1996 schon einmal erzählt. Damals als Spielfilm und mit der Chinesin Maggie Cheung in der Hauptrolle. „In dem Film konnte ich einige Themen auch aus Zeitgründen nur anschneiden“, sagte Assayas gegenüber dem Branchenblatt „Variety“. „Die Serie gibt mir ganz andere Möglichkeiten, in die Tiefe zu gehen. Ich kann das Potenzial dieser Story voll ausschöpfen und so etwas Neues erzeugen. Eine neue ‚Irma Vep‘-Version fürs Kino hätte ich nicht gemacht.“

Sein Film galt damals als fulminante Kritik am französischen Kino, das er für einfallslos hielt. Die Serie thematisiert nun auf unterhaltsame Weise aktuelle Entwicklungen in der Filmwelt. Vor allem die Auswirkungen, die der Boom von Streaminganbietern und die Popularität von Serien auf die kreative Arbeit hat. „‚Irma Vep‘ ist eine Momentaufnahme unserer Branche, die gerade gewaltige Umbrüche erlebt“, sagt Assayas. „Die Gewissheiten der Vergangenheit sind förmlich explodiert, und wir müssen die neue Zeit erst mal verstehen.“

Die überragend agierende Hauptdarstellerin Vikander sagte im selben Interview: „Unsere Serie handelt vom Filmemachen und von der Liebe zum Geschichtenerzählen im Kino. Die zahlreichen Figuren sind alle ins Extreme überzeichnet, was die Serie sehr komisch macht. Aber ein Fünkchen Wahrheit steckt in allen von ihnen.“

GOLDENE KAMERA Streaming-Tipp, weil…

Perfekt gelungen ist das Spiel mit den Metaebenen. So hat zum Beispiel genau wie der echte Regisseur Assayas auch der fiktive Regisseur René Vidal vor Jahren bereits einen „Irma Vep“-Film gedreht. Wir sehen also das Serien-Remake eines Films, in dem es um das Serien-Remake eines Films geht. Und das ist nur eine von vielen überraschenden Ebenen sowie originellen Doppeldeutigkeiten, mit denen „Irma Vep“ lustvoll jongliert.

Insgesamt eine geniale Satire auf die Filmwelt – mit tollen Dialogen und einer glänzenden Alicia Vikander.

„Irma Vep“ läuft ab Freitag, 16. September bei Wow Serie.