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Michael Brandner über seine Mutter: „Wir haben nie Frieden geschlossen“

Michael Brandner über seine Mutter: „Wir haben nie Frieden geschlossen“

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Michael Brandner schreibt über seine bewegte Vergangenheit. Credit: Hannes Magerstaedt/Getty Images
Michael Brandner hat eine bewegte Vergangenheit. Im Interview spricht er über seine Mutter, Halbgeschwister, die er nicht kannte und seine schweren Erkrankungen.

Fast wäre Michael Brandner (70) gar nicht Schauspieler geworden. Als gelernter Schreiner und Technischer Zeichner träumte er von Architektur oder Bildhauerei. Eine Laienschauspielgruppe brachte ihn schließlich auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Am Dortmunder Theater wurde er Ensemble-Mitglied, seit Ende der 1980er Jahre ist er aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Nun hat der Reimund-Girwidz-Darsteller aus „Hubert ohne Staller“ einen autobiografischen Roman geschrieben. In „Kerl aus Koks“ lässt er tief in seine Vergangenheit blicken. Im Interview mit „Bunte“ spricht er über das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter und seine vielen Leben.

Michael Brander: „Sie konnte einfach nicht aus ihrer Haut“

Der 70-Jährige wurde in Augsburg geboren, lebte dort eine Zeit lang bei Onkel und Tante. Mit vier Jahren holte ihn seine Mutter ins Ruhrgebiet, er wuchs in Dortmund auf. Das Verhältnis zu seiner Mutter sei nie gut gewesen, erzählt der Schauspieler im Interview. „Bei ihr galt das Motto: Man hat jetzt Kinder, also muss man die erziehen, das gehört sich so. Und wichtig dabei war die Frage: Was sagen die Nachbarn?“ Ein herzliches Miteinander habe es bei ihnen nie gegeben. „Wir haben einfach nie Frieden miteinander geschlossen. Sie hatte ihren Kopf, ihre Ansprüche, die nicht erfüllt wurden. Deshalb konnte sie einfach nicht aus ihrer Haut“, sagt Brandner. Sein Stiefvater sei für die Herzlichkeit da gewesen. Als er erfahren habe, dass sein Vater nicht sein leiblicher Vater ist, sei er geschockt gewesen. „Erstens wollte ich, dass er mein Vater ist, und zwar dringend. Zweitens wollte ich, dass er nicht traurig ist, weil er mich auf ihren Wunsch hin übers Knie legen musste.“

Michael Brandner: „Ich habe mich darüber gewundert, dass ich noch lebe“

Seinen leiblichen Vater habe er nie kennengelernt, vor sechs Jahren sei die Nachricht gekommen, dass er verstorben ist. Dabei sei auch rausgekommen, dass er vier Halbgeschwister und eine Stiefschwester hat. Zwei davon habe er inzwischen kennengelernt, erzählt er dem Magazin. Hinzu kamen zahlreiche Erkrankungen, die den gebürtigen Augsburger ereilten. Als Kind hatte er eine Hirnhautentzündung, „das war ein sehr düsteres Kapitel“, sein stiller Infarkt „war eine wirklich schmerzhafte Erfahrung“. Auch ein Autounfall und eine Magenblutung blieben ihm nicht erspart. „Ich habe mich darüber gewundert, dass ich noch lebe“, sagt er „Bunte“.

Sein unstetes Leben habe er erst hinter sich gelassen, als er seine Frau Karin, eine Schauspielagentin, kennenlernte. Seit 1997 ist das Paar verheiratet und lebt in München. Ihr gemeinsamer Sohn ist heute 25 Jahre alt, Karin brachte noch zwei Kinder aus einer vorherigen Beziehung mit in die Ehe. „Es war ein großes, großes Glück für mich, Karin kennengelernt zu haben. Jemanden mit so einer Lebensfreude, mit so einer Liebesfähigkeit. Ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre.“